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Klimawandel statt saurer Regen: Immer mehr Waldfläche verschwindet

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Vor allem alte, große Bäume sterben.


Manche Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden. Je länger ein Baum wächst, umso stabiler wird er. Dennoch stellen Forscher fest, dass sich die Fläche des abgestorbenen Waldes Mitteleuropas in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat.

Die Bilder vom Waldsterben in Europa aus den 1980er Jahren sind schockierend. Saurer Regen war damals dafür verantwortlich. Die Reduzierung der Schadstoff-Emmissionen sollte Abhilfe schaffen und das Waldsterben aufhalten. Ob das gelungen ist und wie es heute um den Wald steht, haben Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität für Bodenkultur in Wien nun untersucht.

Um die Sterblichkeit von Bäumen zu beziffern, werteten die Forscher insgesamt 720.000 Satellitenbilder aus. Die Aufnahmen wurden zwischen 1984 und 2016 über Deutschland, Polen, die Slowakei und der Schweiz gemacht. Auf diese Art und Weise konnte die Entwicklung der Kronendichte der Wälder in diesen Ländern und damit dessen Gesamtzustand von zirka 30 Millionen Hektar Wald analysiert werden.

Das Forscherteam um Cornelius Senf von der HU Berlin konnte anhand der Bilder sehen, dass das Waldsterben nie aufgehört hat – ganz im Gegenteil: In den letzten 30 Jahren hat sich der Schwund der Waldfläche sogar beträchtlich verstärkt. Die Sterblichkeit der Bäume in den Wäldern sei pro Jahr um 2,4 Prozent gestiegen, erklären die Forscher. 1985 war im Schnitt ein halbes Prozent der Waldfläche vom Baumsterben betroffen, 2015 handelte es sich hingegen schon um ein Prozent. Die Fläche hatte sich also innerhalb von 30 Jahren verdoppelt.

Doppelte Fläche, gleiche Anzahl an Bäumen

Trotz dieser Verdoppelung, so fanden die Forscher heraus, hat sich jedoch die Anzahl der sterbenden Bäume in den Wäldern Mitteleuropas nicht geändert. Dieser zunächst paradox anmutende Befund wird durch die Forscher damit erklärt, dass in den letzten Jahren vor allem alte und große Bäume starben, die dann auch eine größere Lücke im Kronendach der Wälder hinterließen.

Die Ursache für die größer werdenden, sterbenden Waldflächen ist nicht mehr der saure Regen. Das Forscherteam sieht vielmehr den Klimawandel und dessen Folgen wie anhaltende Trockenheit und steigende Temperaturen als Verursacher. Durch solche Bedingungen geschwächte Bäume werden eher von Borkenkäfern und anderen Schädlingen befallen. Dazu kommen häufigere und stärkere Stürme, die den Bäumen zusetzen oder diese sogar entwurzeln. Die Forscher gehen davon aus, dass dieser Trend auch in Zukunft anhalten wird.  

Obwohl dieser Untersuchung zufolge jährlich rund 3000 Quadratkilometer Wald in Mitteleuropa stirbt, bleibt das öffentliche Interesse daran im Vergleich zum Waldsterben in den 1980er Jahren relativ gering. Grund ist die andere Art des Sterbens. Waren durch den sauren Regen ganze Waldstriche sichtbar betroffen, sind es jetzt vermehrt einzelne Bäume, die im Wald untergehen.

Die Ergebnisse der Forscher wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

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