Wirtschaft

Kuka-Vorstandschef verhandelt mit chinesischem Eigner über Ablösung

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Knapp zwei Jahre nach der Übernahme wird die Firmenspitze von Kuka möglicherweise neu besetzt. Die chinesischen Eigentümer wollen laut Insidern mehr Kontrolle.

Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Kuka AG, Till Reuter.

Knapp zwei Jahre nach der mehrheitlichen Übernahme des Roboterherstellers Kuka durch chinesische Investoren wird die Firmenspitze möglicherweise neu besetzt. Kuka-Vorstandschef Till Reuter und Aufsichtsratschef Andy Gu führen „Gespräche über die vorzeitige Beendigung der Vorstandstätigkeit“, wie das börsennotierte Unternehmen in der Nacht zum Samstag überraschend mitteilte.

Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Der Aufsichtsrat habe darüber noch nicht beraten und beschlossen, hieß es in einer Pflichtmitteilung über „mögliche Veränderungen im Vorstand“ lediglich. Reuter ist seit 2009 Vorstandschef der Kuka AG. Sein Vertrag wurde im Frühjahr 2017 bis Ende März 2022 verlängert.

Kuka ist einer der technologisch führenden Hersteller von Robotern für die Industrie und war Anfang 2017 nach langem Ringen mehrheitlich vom chinesischen Hausgeräte-Hersteller Midea übernommen worden. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, da chinesische Unternehmen verstärkt in deutsche Hightech-Unternehmen investieren. Politiker in Brüssel und Berlin hatten sich dagegen ausgesprochen, dass Spitzentechnologien in chinesische Hände fallen. Midea hält nach Unternehmensangaben fast 95 Prozent der Kuka-Anteile.

Kreise: Chinesen wollen Kontrolle ausweiten

Aus Unternehmenskreisen verlautete am Samstag, die Chinesen wollten die Integration der Unternehmen vorantreiben und die Kontrolle auch auf das operative Geschäft von Kuka ausweiten. Die Eigentümer wollten ihre Vorstellungen durchsetzen und stärker die Führung übernehmen.


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Zuletzt hatte das Augsburger Unternehmen mit 13.710 Beschäftigten nach einer langen Wachstumsphase seine Jahresprognose wegen eingetrübter Aussichten gesenkt. Zu einer schlechteren Entwicklung im Geschäft mit Autos kämen Unwägbarkeiten im chinesischen Automatisierungsmarkt hinzu, hatte Kuka bei Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober mitgeteilt.

Für 2018 werde ein Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro erwartet statt der zuvor angepeilten Erlöse von mehr als 3,5 Milliarden Euro. Vorstandschef Reuter hatte angekündigt, „auf die verschärften konjunkturellen Rahmenbedingungen“ zu reagieren und einen „stärkeren Fokus“ auf das Effizienzprogramm zu legen.

Vor der endgültigen Übernahme hatten Kuka und die Chinesen Ende Juni 2016 eine Vereinbarung unterzeichnet, die Midea bis Ende 2023 vertraglich an weitreichende Zusagen bindet. Dazu gehören nach der damaligen Mitteilung Standort- und Beschäftigungsgarantien, das Bekenntnis zur Strategie von Kuka sowie zur Unabhängigkeit des Vorstands. Ferner ging es um Vereinbarungen zum Schutz von Geschäftspartner-Daten sowie die Zusage, keinen Beherrschungsvertrag anzustreben und die Börsennotierung bestehen zu lassen.

Kuka-Chef Reuter sagte seinerzeit zu der Abschirmungs- und Investorenvereinbarung, die vereinbarte Laufzeit von 7,5 Jahren gehe weit über das übliche Maß hinaus. „Sie schützt die Interessen unseres Unternehmens, unserer Geschäftspartner, unserer Mitarbeiter und unserer Aktionäre bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein.“

EU schafft neues System, um ausländische Übernahmen zu erschweren

Vor wenigen Tagen hatte die EU beschlossen, ein neues System zu schaffen, um ausländischen Investoren die Übernahme von strategisch wichtigen europäischen Unternehmen zu erschweren. Eine am Dienstag getroffene politische Einigung sieht vor, einen Kooperationsmechanismus einzurichten, in dessen Rahmen Mitgliedstaaten und EU-Kommission Informationen austauschen und konkrete Anliegen ansprechen können.

Zudem erhält die Kommission die Möglichkeit, sich zu Fällen zu äußern, in denen mehrere Mitgliedstaaten oder EU-Projekte betroffen sind. Dies könnte beispielsweise das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo sein. Mit Unterstützung des neuen Kontrollmechanismus sollen dann die EU-Staaten besser darüber entscheiden können, ob eine bestimmte Transaktion in ihrem Hoheitsgebiet genehmigt werden soll. Die Zuständigkeit für die Wahrung nationaler Sicherheitsinteressen bleibt bei den Mitgliedstaaten.

„Europa muss seine strategischen Interessen ständig verteidigen – und genau dabei wird uns dieser neue Rahmen helfen“, kommentierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die EU mache damit auch deutlich, dass sie kein naiver Verfechter des Freihandels sei. Die Einigung auf das neue Kontrollsystem wurde von Vertretern des Europaparlaments, des Rates der Mitgliedstaaten und der Kommission erzielt. Sie muss nun noch offiziell verabschiedet werde, bevor sie umgesetzt werden kann. (dpa)

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