Wirtschaft

Tarifchaos an den Ladesäulen für E-Autos

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Die Strompreise für E-Autos variieren von Anbieter zu Anbieter. Vergleichen können Fahrer sie kaum. Das schreckt manche gar vorm Kauf eines E-Autos ab.

Das Problem fängt für Fahrer eines E-Autos schon mit der Suche nach einer Ladesäule an.

Ein Liter Benzin kostet im Schnitt 1,30 Euro, bei Diesel sind es 1,23 Euro. Die Preise für fossile Kraftstoffe sind für Autofahrer an der Tankstelle schnell und einfach vergleichbar. E-Autofahrer haben es dagegen sehr viel schwerer. Haben sie die Herausforderung gemeistert, eine freie Ladesäule zu finden, erwartet sie ein Dickicht an Tarif- und Ladesystemen. Die deutschlandweit rund 13500 öffentlichen und teilöffentlichen Ladesäulen funktionieren völlig uneinheitlich. Mal braucht der E-Autofahrer eine Ladekarte, mal schaltet er sich per RFID-Chip oder SMS frei oder er nutzt eine Smartphone-App. Wer überall in Deutschland laden will, braucht bis zu zehn Ladekarten.

Jeder Anbieter rechnet anders ab

Auch die Abrechnungsmodelle variieren stark. Während an den deutschlandweit 21 Schnellladesäulen von Ionity pro Ladevorgang pauschal acht Euro abgerechnet werden, ist die Telekom jüngst mit einem zeitbasierten Tarif angetreten. Zwei Cent zahlen die Kunden pro Minute, unabhängig von der Ladeleistung der Stromzapfsäule. Zumindest bis Ende März. Der Aktionstarif ist bis dahin befristet. Wer dagegen in Berlin an einer normalen Ladesäule von Allego seinen Stecker ins E-Auto steckt, zahlt einen Festpreis von 5,45 Euro. An Allego-Schnellladesäulen fallen pauschal 7,90 Euro an.

Um die Verwirrung komplett zu machen, gelten wieder andere Preise, wenn der E-Autofahrer den Strom über einen Roamingdienstleister wie PlugSurfing oder NewMotion bezieht. Dabei handelt es sich um Zusammenschlüsse von Stadtwerken oder anderen Dienstleistern, die in der Regel ein deutschland- oder gar europaweites Laden über eine einzige App oder Ladekarte ermöglichen und oftmals eine zusätzliche Gebühr draufschlagen.

Verbraucherschützer kritisieren das Tarifwirrwarr

Bei diesem Durcheinander verlieren E-Mobilisten schnell den Überblick. An der Ladesäule herrschen „verwirrende Tarifstrukturen, unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen sowie eine Vielfalt von Abrechnungsmethoden“, schreibt der Ökostromanbieter Lichtblick. Auch Verbraucherschützer schlagen Alarm. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) fordert Nachbesserungen bei den Ladetarifen.


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Insbesondere die öffentliche Ladeinfrastruktur müsse „einfach und transparent zu nutzen sein“, damit die Menschen Lust auf den Umstieg auf ein Elektroauto bekämen, heißt es dazu in einem Positionspapier, dass der VZBV gemeinsam mit dem Bundesverband CarSharing, dem Bundesverband Solare Mobilität (BSM) und der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg herausgegeben hat. Sie sind sich einig: Das Tarifchaos hat ähnlich abschreckende Wirkung wie die Reichweitenangst, aufgrund der viele potenzielle Käufer nach wie vor auf ein E-Auto verzichten.

Noch sind die Ladesäulen nicht geeicht

In dem Papier fordert die Allianz an allen Ladesäulen eine kilowattstundengenaue Abrechnung, die einen Vergleich der Tarife ermöglicht, ähnlich wie an konventionellen Tankstellen: „Eine einheitliche Abrechnung nach Kilowattstunde schafft Vergleichbarkeit und Transparenz“, schreibt der VZBV. Die fordert auch der Gesetzgeber in der Preisangabenverordnung. Doch dafür müssten die Ladesäulen eichrechtskonform ausgerüstet sein.

Während die Benzin- und Dieselzapfsäulen geeicht sind, ist das bei Stromtankstellen derzeit erst im Aufbau. Sollte sich dies weiter verzögern, würde das die Betreiber vor enorme Probleme stellen. Für Schnelllader zum Beispiel ist ein entsprechendes Messgerät erst im Laufe des ersten Quartals verfügbar. Das Problem ist also die Technik beziehungsweise fehlende Zertifikate der zuständigen Prüfbehörde. Weil die entsprechenden eichrechtskonformen Lösungen fehlen, behelfen sich viele Anbieter aktuell mit Pauschaltarifen pro Ladevorgang oder rechnen nach Ladezeit ab.

Die Zwischenladung auf der Autobahn ist teuer

Für Kunden ist das ein Ärgernis. Auch die Betreiber sind darüber nicht glücklich. Schon heute würde man lieber verbrauchsbasiert nach Kilowattstunden abrechnen, wie das in anderen europäischen Ländern möglich ist. Alles andere sei für den Kunden ungerecht. Denn bei den zeitbasierten Modellen kommt es auf die Akkugröße im E-Auto an und darauf, wie viel Reststrom in der Autobatterie ist. Davon hängt ab, ob sich der Ladevorgang eher für den E-Autofahrer oder für den Stromanbieter rechnet. Jene, die nur für eine Zwischenladung auf der Autobahn anhalten, zahlen drauf. Außerdem laden kleinere und ältere batteriebetriebene Fahrzeuge langsamer als ein neuer Tesla. Mit einer Batteriekapazität von 100 Kilowattstunden (kWh) kann ein Tesla-Fahrer deutlich mehr Strom aus der Säule ziehen als ein Renault-Zoe-Besitzer (41 kWh) – der Fahrer zahlt damit pro Kilowattstunde entsprechend weniger für die Elektrizität.

Dass manche Anbieter beide Modelle kombinieren, macht es nicht besser. Die Maingau Energie rechnet ab Februar verbrauchsbasiert ab und kassiert von E-Autofahrern, die gleichzeitig ihren Haushaltsstrom oder Gas über den Versorger aus dem Rhein-Main-Gebiet beziehen, 15 Cent pro Kilowattstunde Fahrstrom. Externe Kunden zahlen 25 Cent. Damit die E-Fahrzeuge nicht unnötig lange einen Parkplatz blockieren, wenn sie schon vollgeladen sind, fällt eine zusätzliche Parkgebühr an. An Stromzapfsäulen unter 22 kW werden nach 60 beziehungsweise an Schnellladern nach 120 Minuten zusätzlich zehn Cent pro Minute berechnet.

Die Gebühren steigen

Der neue Tarif der Maingau Energie markiert einen Trend an den Schnellladesäulen. Branchenexperten erwarten, dass viele Anbieter in den kommenden Wochen ihre Tarife umstellen werden. Haben die Anbieter anfangs mit Blick auf die wachsende Konkurrenz ihren Strom teilweise verschenkt und Kunden mit Aktionstarifen gelockt, schrauben sie ihre Gebühren nun ordentlich hoch.

So erhöht auch EnBW nach Auslaufen seines zuletzt geltenden Aktionstarifs massiv die Preise. Ab März können E-Mobilisten zwischen zwei Tarifen wählen. Im Standardtarif kostet die Kilowattstunde am Normallader 39 Cent, am Schnelllader 49 Cent. Für Viellader berechnet EnBW bei normalem Ladetempo 29, bei Schnellladern 30 Cent pro Kilowattstunde. Im zweiten Tarif fällt allerdings ab dem vierten Monat eine zusätzliche monatliche Grundgebühr von 4,95 Euro an.

Fest steht: Zwar wird die kilowattstundengenaue Abrechnung langsam kommen und damit die Vergleichbarkeit der Preise an den öffentlichen Stromzapfsäulen. Aber unterm Strich werden die Kosten für den E-Auto-Strom vermutlich steigen, zumindest an der Schnellladesäule. Denn die Energieversorger wollen nicht weiter drauflegen, sondern endlich Geld verdienen. Für E-Mobilisten heißt das: Richtig glücklich wird nur, wer eine private Wallbox hat, an der er zum Haushaltsstromtarif laden kann.

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